Grundlegende Informationen zum Paket Produktionsplanung und -steuerung finden Sie unter
Erste Schritte PPS.
Für die
Wareneinsatzermittlung können Buchungen aus Produktionsaufträgen auf unterschiedliche Arten und Weisen ermittelt und berücksichtigt werden.
Ausgegangen wird in jedem Fall aber vom Standardablauf der Wareneinsatzermittlung:
- Basis für Wareneinsatzermittlung sind Lagerjournalbuchungen.
- Rohwaren werden beim Wareneingang auf ein Konto in der Klasse 1 (Vorrat) in der FIBU gebucht.
- Der Wareneinsatz soll zum gewünschten Zeitpunkt auf ein Konto in der Klasse 5 in der FIBU umgebucht werden.
Für die Wareneinsatzermittlung mit Produktion wird zudem von folgenden Standardeinstellungen ausgegangen:
Zwei mögliche Varianten für die Verbuchung des Wareneinsatzes werden nachfolgend erläutert.
Für bestimmte Abläufe können Spezialeinstellungen vorgenommen werden, die zu berücksichtigen sind. Auch diese werden nachfolgend erläutert.
Folgende Grafik inkl. Erläuterung erklärt die Grundlagen für die Ermittlung der Einstandspreise und des Wareneinsatzes mit Produktionsaufträgen.
Artikel Einstandspreis
Der Einstandspreis für Artikel kann sich ergeben durch die Ermittung aus dem Stücklisten-Kalkulationsblatt der Stammdaten (Basis: Stückliste, ev. mit Arbeitsplan).
Alternativ kann auch eine Neubewertung der Produkteinstandspreise eine Rückführung der Einstandspreise in die Stammdaten ermöglichen.
Kundenauftrag
Der Einstandspreis am Artikel ist eine mögliche Basis für die Solleinstandspreisermittlung sowie der Ermittlung eines Verkaufspreises am Kundenauftrag
Produktionslose
Vom Kundenauftrag ausgelöste Produktionslose stellen die Basis für die Ermittlung der angefallenen Kosten dar.
Stückliste/Arbeitsplan
Aufgrund der angefallenen Istkosten lt. Stückliste und Arbeitsplan (Materialien und Fertigungsaufwand) ergeben sich die Basis für die Bewertung der Produkte
Produkte
Bei Neuanlage eines Produkts kann der Artikeleinstandspreis bzw. der Solleinstandspreis lt. Kundenauftrag die Basis für eine Erstbewertung am Lager darstellen. Die angefallenen Istkosten können getrennt nach Material- und Fertigungseinstandspreis für die erzeugten Produkte auf Basis der Istkosten lt. Stückliste und Arbeitsplan durch Funktionen neu am Lager bewertet werden.
Lager (WWS)
Das Lager stellt die Basis für die Bewertung der Lagerabgänge für die Lieferscheine und die Basis für die Wareneinsatzermittlung dar.
Wareneinsatz (WWS)
Der Wareneinsatz wird mittels der getätigten Lagerbuchungen ermittelt.
FIBU
Das Ergebnis der Wareneinsatzermittlung sind Bestandsveränderungen, die durch die Verbuchung des Wareneinsatzes in die FIBU verbucht werden können.
Legende:
| Abkürzungen | Bezeichnung |
| EP | Einstandspreis |
| FIBU | Finanzbuchhaltung |
I-HEK | Ist-Herstelleinzelkosten |
Ist-DB | Ist-Deckungsbeitrag |
LFS | Lieferschein |
S-HEK | Soll-Herstelleinzelkosten |
Soll-EP | Soll-Einstandspreis |
VK-Preis | Verkaufspreis |
WES | Wareneinsatz |
WWS | Warenwirtschaft |
ZUG2 | Jenes Lagerbuchungskennzeichen, das für Lagerzugänge aus dem Produktionsbereich verwendet wird. |
Grundsätzlich kann mit zwei verschiedenen Optionen die Lagerjournalbuchung für die Wareneinsatzermittlung berücksichtigt werden. Der Unterschied für die Einstellung der beiden Varianten liegt in den Kontentabellen der jeweiligen Produktartikel.
Es gilt für beide Varianten folgende Einstellungen für die Kontentabellen:
- Mindestens eine eigene Kontentabelle für die Halb- und Fertigerzeugnisse + Zuweisung zu den Produkt-Artikeln
- Einkauf: Hinterlegung eines eigenen Vorratskontos für Erzeugnisse (Standardkonto 1500)
- Wareneinsatz: Für beide Varianten wird zumindest ein Bestandsveränderungskonto (Standardkonto 4500) benötigt.
Soll im Wareneinsatz auf Material- und Fertigungswerte aufgesplittet werden, muss ein zweites Bestandsveränderungskonto dafür angelegt werden.
Wie die Konten in der Kontentabelle hinterlegt gehören, ist abhängig davon, wann der Wareneinsatz gebucht werden soll: Bei Rohwarenabbuchung oder erst bei Abbuchung der Fertigprodukte vom Lager
Sollen die Abgänge für Produktionslose die Wareneinsatzbuchung auslösen, gilt es folgende Einstellungen zu treffen:
- Hinterlegung des Bestandsveränderungskonto am Reiter "Wareneinsatz" der Kontentabelle des Fertigprodukts (Konto 4500)
- Keine speziellen Einstellungen auf der Kontentabelle der Rohwaren (Einkauf → Konto 1600, Wareneinsatz → Konto 5050)

Beispiel | Mit dem Produktionslos 1586 sind folgende Produktkosten entstanden: Die Gesamtmaterialkosten belaufen sich auf 28,56 EUR und entsprechen auch dem Einstandspreis, da nur ein Stück produziert worden ist. Bewertet wird mit Ist-Herstellkosten Es gibt keine enstandenen Fertigungskosten und nur Rohwaren (keine Halbfabrikate), die für die Herstellung des Produkts "net001" benötigt wurden.
Im Beispiel werden für die Materialabgänge, Produktionszugänge und Lieferscheinabbuchungen getrennte Wareneinsätze ermittelt und verbucht.
Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung der getätigten Materialabgangsbuchungen (ABG2) sieht wie folgt aus: Bereits jetzt wird der Wareneinsatz für die eingesetzten Materialien gebucht. Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4806: Bestandskonto 1600 / Aufwandskonto 5050 mit Buchungsbetrag 28,56 EUR → Summe an ABG2-Produktionsabgangsbuchungen von Materialabgängen
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: - Das Konto "5050 Wareneinsatz" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1600 Waren" wird um 28,56 EUR verändert.

Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung der Produktionszugangsbuchung (ZUG2) sieht wie folgt aus: Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4807: Bestandskonto 1500 / Aufwandskonto 4500 mit Buchungsbetrag -28,56 EUR → ZUG2-Produktionszugangsbuchung
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: - Das Konto "4500 Bestandsveränderungen fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1500 fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.

Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung für den Lieferscheinabgang (ABG1) sieht wie folgt aus: Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4808: Bestandskonto 1500 / Aufwandskonto 4500 mit Buchungsbetrag 28,56 EUR → ABG1-Buchung aus Lieferschein
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: - Das Konto "4500 Bestandsveränderungen fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1500 fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.

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Sollen die Abgänge der Rohwaren nur eine Bestandsveränderung auslösen und erst die Produktabbuchung mittels Lieferschein an den Kunden die Wareneinsatzbuchung auslösen, sind folgende Einstellungen zu treffen:
Kontotabelle der Rohwaren:
- Hinterlegung des Bestandsveränderungskonto für ABG2-Buchungen
Kontotabelle für Halb- und Fertigerzeugnisse:
- Hinterlegung des Wareneinsatzkontos als Standardkonto (Rückfallebene)
- Hinterlegung des Bestandsveränderungskontos für ABG2- und ZUG2-Buchungen (bei Bedarf auch ABG6- und ZUG6-Buchungen)

Beispiel | Für dieses Beispiel wird das gleiche Produktionslos mit den angefallenen Kosten von 28,56 EUR wie im o. a. Beispiel verwendet.
Im Beispiel werden für die Materialabgänge, Produktionszugänge und Lieferscheinabbuchungen getrennte Wareneinsätze ermittelt und verbucht.
Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung der getätigten Materialabgangsbuchungen (ABG2) sieht wie folgt aus: Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4806: Bestandskonto 1600 / Erlöskonto 4500 mit Buchungsbetrag 28,56 EUR → Summe an ABG2-Produktionsabgangsbuchungen von Materialabgängen
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: - Das Konto "4500 Bestandsveränderungen fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1600 Waren" wird um 28,56 EUR verändert.

Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung der getätigten Produktionszugangsbuchung (ZUG2) sieht wie folgt aus (gleich wie im o. a. Beispiel): Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4807: Bestandskonto 1500 / Erlöskonto 4500 mit Buchungsbetrag -28,56 EUR → ZUG2-Produktionszugangsbuchung
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: - Das Konto "4500 Bestandsveränderungen fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1500 fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.

Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung der getätigten Lieferscheinabbuchung (ABG1) sieht wie folgt aus: Erst jetzt wird der Wareneinsatz für gebucht. Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4808: Bestandskonto 1500 / Aufwandskonto 5050 mit Buchungsbetrag 28,56 EUR → ABG1-Buchung aus Lieferschein
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: |
Fertigungskosten können entweder durch gebuchte Tätigkeiten in der Stückliste oder Mitarbeiter- bzw. Arbeitsplatzaufzeichnungen (in der Regel durch BDE-Stempelungen) (selten auch Ressourcenkosten) am Produkt entstehen.
Um den Fertigungswert bei der Wareneinsatzermittlung vom Materialwert des Produkts zu trennen, ist es möglich, mit der Einstellung
Ist FEP auf der Kontentabellenposition ein eigenes Konto für die Buchungen der Fertigungskosten zu hinterlegen.
Für die Unterscheidung muss ein zweites Bestandsveränderungskonto angelegt und Einstellungen dafür gesetzt werden.
Sollen Arbeitsplatz-, Mitarbeiter- und Ressourcenkosten noch einmal getrennt berücksichtigt werden, kann dies mit dem Feld
FEP-Typ auf der Kontentabellenposition eingestellt werden.
Die Einstellung kann nur gesetzt werden, wenn zuvor die Reihenfolge der Kontofindung für den Wert "Ist Fertigungseinstandspreis" aktiviert worden ist.
Kontentabellen → Extras → Reihenfolge Kontofindung
In der Kontentabellenposition kann dann ein eigener Eintrag mit
Ist FEP erstellt werden. Das Feld
FEP-Typ kann alternativ zwischen Arbeitsplatz-, Mitarbeiter- und Ressourcenkosten aufteilen.

Beispiel | Für das Produktionslos 1586 wurden 28,56 EUR an Materialkosten und 30 EUR an Fertigungskosten (im vorliegenden Beispiel über eine gebuchte Tätigkeit in der Stückliste) gebucht.
In diesem Beispiel wird mit der Variante gearbeitet, dass der Wareneinsatz direkt bei Abbuchung der Rohwaren relevant wird. Deshalb ist es nur notwendig, in der Kontentabelle der Halb- und Fertigerzeugnisse einen zusätzlichen Eintrag mit dem Feld Ist FEP anzulegen. Das Konto wurde mit "4501 Bestandsveränderungen FEW fertige Erzeugnisse" benannt und muss gleich wie das Konto 4500 im Reiter "Wareneinsatz" der Kontentabelle eingetragen werden.
Der Wareneinsatz für die Abbuchung der Rohwaren unterscheidet sich nicht zu den o. a. Beispielen und wird deshalb nicht separat angeführt.
Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung der Produktionszugangsbuchung (ZUG2) sieht wie folgt aus: Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4810: Bestandskonto 1500 / Erlöskonto 4500 mit Buchungsbetrag -28,56 EUR → ZUG2-Produktionszugangsbuchung Materialwert Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4811: Bestandskonto 1500 / Erlöskonto 4501 mit Buchungsbetrag -30,00 EUR → ZUG2-Produktionszugangsbuchung Fertigungswert
Hinweis: Wird der Einzelnachweis zur Buchung des Fertigungswertes angesehen, wird dort nichts angezeigt!
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: - Das Konto "4500 Bestandsveränderungen fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1500 fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "4501 Bestandsveränderungen FEW fertige Erzeugnisse" wird um 28,56 EUR verändert.
- Das Konto "1500 fertige Erzeugnisse" wird um 30,00 EUR verändert.

Das Ergebnis für die Wareneinsatzermittlung des Lieferscheinabgangs (ABG1) sieht wie folgt aus: Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4812: Bestandskonto 1500 / Erlöskonto 4500 mit Buchungsbetrag 28,56 EUR → ABG1-Buchung aus Lieferschein Materialwert Wareneinsatz-Beleg-Nr. 4813: Bestandskonto 1500 / Erlöskonto 4501 mit Buchungsbetrag 30,00 EUR → ABG1-Buchung aus Lieferschein Fertigungswert
In der FIBU werden folgende Buchungen durch Verbuchung des Wareneinsatzes ausgelöst: |
Fremdfertigungen sind ein Spezialfall bei der Wareneinsatzermittlung.
Es ist in den Einstellungen darauf zu achten, dass die Werte für den Einkauf der Fremdleistung NICHT doppelt in der FIBU berücksichtigt werden – diese können folgendermaßen zustandekommen:
- Einerseits durch Aktivierung des Lagerbuchungskennzeichens "ZUG2" in der Wareneinsatzermittlung.
- Anderseits durch die Eingangsrechnung, die für die Fremdleistung bei Verbuchung der ER direkt in die FIBU auf die Klasse 1 gebucht wird.
Um diese doppelte Berücksichtigung zu verhindern, muss folgender Parameter aktiviert werden:
WWS → Stammdaten → Einstellungen → WWS Parameter → Wareneinsatz → Ermittlung → Eingangsrechnungswert vermindert Fremdproduktionszugang
| Definition, ob der Wert der Eingangsrechnung die Zugangsbuchung aus Fremdproduktion vermindern soll.
0 - Nein: Es wird der vollständige Lagerbuchungswert für die Wareneinsatzermittlung herangezogen. 1 - Ja: Es wird der Differenzwert (Lagerbuchungswert abzgl. Eingangsrechnungswert) für die Wareneinsatzermittlung herangezogen.
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Alternativ kann dies auch am Kopf der Wareneinsatzermittlung eingestellt bzw. übersteuert werden.
| Der Wert der Zugangsbuchung für die Wareneinsatzermittlung wird abzüglich des Werts der Eingangsrechnung ermittelt. Dies ist zum Beispiel notwendig, wenn die FPR buchhalterisch auf Vorratskonten gebucht wird.
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